Holz zersetzende Baumpilze

Veröffentlicht von Ingrid Voigtmann am

Holz zersetzende Baumpilze gehören zu den wichtigsten Akteuren in unseren Wäldern und Ökosystemen. Sie sind die ultimativen Zersetzer der Natur, können aber gleichzeitig für lebende Bäume im Wald, in Parks oder im städtischen Raum eine ernsthafte Gefahr darstellen.

Der natürliche Kreislauf

Holz besteht zu etwa 50% aus Cellulose (einem Polysaccharid, das dem Holz Zugfestigkeit verleiht) und zu 20-30% aus Lignin (einem Polymer, das den Zellwänden Druckfestigkeit und Verholzung gibt). Pilze verfügen über spezielle Enzyme, mit denen sie Cellulose und Lignin biochemisch zerlegen und dem Boden wertvolle organische Masse und Nährstoffe zurückführen.
Je nachdem, welche Holzbestandteile ein Pilz abbaut, unterscheidet man zwei Hauptarten der Fäule:

  1. Weißfäule (Ligninabbau): Hier zersetzt der Pilz das dunkle Lignin und oft auch die Cellulose. Was übrig bleibt, ist eine helle, faserige und schwammige Holzmasse, die sich leicht zerdrücken lässt. Viele bekannte Baumpilze wie der Zunderschwamm oder der Honiggelbe Hallimasch verursachen Weißfäule.
  2. Braunfäule (Celluloseabbau): Der Pilz baut vor allem die Cellulose ab, während das braune Lignin weitgehend zurückbleibt. Das Holz verliert seine Elastizität, wird brüchig und zerfällt schließlich in charakteristische, würfelförmige Stücke (sogenannter Würfelbruch). Typische Vertreter sind beispielsweise der Schwefelporling, Birkenporling, Rotrandiger Baumschwamm.

Wichtige heimische Baumpilze

Die Vielfalt der Holz zersetzenden Pilze ist sehr groß. Einige Arten begegnen uns beim Waldspaziergang besonders häufig:

  • Zunderschwamm (Fomes fomentarius): Ein klassischer Weißfäuleerreger, der vor allem geschwächte Birken und Buchen besiedelt. Seine hutförmigen, grauen Fruchtkörper wurden früher getrocknet und als Feuerschwamm (Zunder) verwendet.
  • Schwefelporling (Laetiporus sulphureus): Mit seinen leuchtend gelb-orangefarbenen Konsolen ist er kaum zu übersehen. Er erzeugt Braunfäule in lebenden Laubbäumen (oft Eichen oder Weiden) und führt zu hoher Bruchgefahr.
  • Flacher Lackporling (Ganoderma lipsiense): Dieser Pilz bildet Dauerschwämme an Stämmen und Stümpfen. Er ist ein Weißfäuleerreger, der die Standfestigkeit von Bäumen massiv beeinträchtigen kann.

Unsichtbare Gefahr – Fruchtkörper als Warnsignal

Während Totholzzersetzer ökologisch unverzichtbar sind, können parasitische Baumpilze lebende Bäume befallen. Sie dringen über Rindenverletzungen, Schnittstellen oder Astabbrüche in das Innere des Baumes ein. Auch Pilze können mit ihrem unterirdischen Myzel jahrelang unerkannt arbeiten und im Stamminneren Kernfäule auslösen.

Sind am Baumstamm oder Wurzelansatz Fruchtkörper – die eigentlichen „Pilze zu sehen – ist der Holzabbau im Inneren meist schon weit fortgeschritten.

Verkehrssicherungspflicht

Holz zersetzende Baumpilze stehen im Spannungsfeld zwischen ökologischem Nutzen und Gefahrenquelle. Im Wald sind sie das Bindeglied zwischen Leben und Vergehen, während sie im urbanen Raum streng überwacht werden müssen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Im naturnahen Wald gilt: Je mehr Pilze das Totholz besiedeln, desto lebendiger und gesünder ist das gesamte Ökosystem.