Seltener Orchideenfund in der Seevorstadt Ost / Großer Garten: Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens)
Wer an Orchideen denkt, hat oft tropische Blütenwunder im Kopf – doch auch vor unserer Haustür kann man diese Pflanzen entdecken. In Deutschland gibt es rund 60 bis 70 verschiedene wild wachsende Orchideenarten. Sie sind im Gegensatz zu ihren tropischen Verwandten Erdorchideen, die auf mageren, oft kalkreichen Böden wie Trockenrasen, Feuchtwiesen oder in lichten Wäldern wachsen.
Mit Erstaunen wurde eine solch seltene Orchideenart im Wohngebiet Seevorstadt Ost /Großer Garten von einer Mieterin der Sächsischen Wohnungsgenossenschaft Dresden (SWGD) entdeckt. Von Frau Dr. Barbara Ditsch, Wissenschaftliche Leiterin des Botanischen Garten der TU Dresden, holten wir die Bestätigung ein, dass es sich bei diesem Fund tatsächlich um die seltene wild wachsende Orchidee Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens) handelt.
Diese heimische Orchidee ist an ihrem flaumig behaarten, dunklen Stängel und den intensiv purpur- bis rotbraunen nickenden Blüten zu erkennen. Abends kann sie bei warmem Wetter einen zarten Vanilleduft verströmen, um Bestäuber – Bienen und Wespen – anzulocken.
Die Arbeitskreise „Heimische Orchideen Deutschlands“ kürten die Braunrote Stendelwurz zur Orchidee des Jahres 2022, um auf die Gefährdung dieser Art in Deutschland aufmerksam zu machen.
Sie ist streng geschützt, darf nicht gepflückt oder gar ausgegraben werden.
Die Braunrote Stendelwurz ist eine Rhizomorchidee, die auf flachgründigen nährstoffarmen leicht basisch bis schwach sauren Böden keimen und aufwachsen kann. Die Blütezeit reicht von Ende Juni bis Ende Juli. Vor dem Aufblühen nicken die Blütenstände wie bei allen Epipactisarten, strecken sich aber beim Aufblühen. Inzwischen hat „unsere Orchidee“ eine Höhe von etwa 20 bis 25 cm erreicht.
Da anfangs nicht geklärt werden konnte, ob es sich bei dem Fund um ein natürliches Vorkommen oder um eine künstlich vermehrte Pflanze handelt, haben sich Fachleute verschiedener Ämter ausgetauscht. Der Botanikspezialist Frank Richter vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, dazu abschließend:
Danke für die interessante Meldung, das ist wirklich ein extremer Standort.
Ich würde auch von einer natürlichen oder unbewussten Ansiedlung ausgehen.
Wahrscheinlich sind durch den Bau in Gebäudenähe ausreichend Basen / Kalk zu finden.
Die Art ist aus Sachsen und auch Dresden & Umkreis bekannt – z.B. gab es einen Fund am Zelleschen Weg. … Die Art wird wahrscheinlich auch mit Wegebaumaterial verschleppt. …
In der Regel erloschen solche Vorkommen auch von selbst wieder.
Wenn die Art ausreift kann man natürlich Kapseln ernten und an einem passenden Standort z.B. im Großen Garten ausbringen…
Wir werden diese Pflanze weiter beobachten und uns dafür einsetzen, dass sie ungestört gedeihen kann und auch von den Grünanlagenpflegern als Kleinod behandelt wird.
Weiterführender Link: „Orchidee des Jahres 2022“ auf aho-niedersachsen.de



